17.2.2016: Die Baumeister

Gestern Abend regnete es ordentlich und so nutzten wir heute den noch nassen Sand und bauten zusammen eine riesige Sandburg. IMG_1085Die Zahnputzbecher wurden kurzerhand zweckentfremdet und genutzt um kleine Türmchen zu bauen. Leider gelang es jedoch nur Simon und Andreas schöne Türmchen damit zu bauen und wie sie das anstellten, haben sie niemanden verraten. Unsere Sandburg bestand aus einem  großen Hauptgebäude, 5 Wachtürmen darum herum, viele kleine Türmchen (Dank Simon und Andreas)  und natürlich einer große Burgmauer. Während dem Bauen und Graben, wurde das ein oder andere Liedchen angestimmt. IMG_1089Ganz vorne mit dabei das Lied Kumbaya my Lord (wobei der my Lord teil gerne weggelassen wurde). Es war so süß und witzig, wie alle arbeiteten, sangen und lachten, dass wir es in ein kleines Video aufnahmen. Am Ende wurde der Hauptturm noch mit allerlei Blättern und Gräsern verziert. Dann war unsere Burg fertig! Stolz machten wir ein Bild vor unserem Kunstwerk. Anschließend hieß es: Hände waschen! Denn die waren nach der harten Bauarbeit im Sand noch viel schwärzer, als sie normal schon waren. Einige Minuten später nahmen die Hände wieder ihre normale Hautfarbe an und wir konnten unseren Kindergarten fortsetzten. Auf die Sandburg wurde dabei gut aufgepasst und es gab großen Ärger, wenn eines der Kinder ihr zu nah kam (von den anderen Kindern versteht sich). Allerdings ist es mit dieser Sandburg sicherlich wie mit jeder anderen auch: Irgendwann wird sie von Feinden niedergerissen und zerstört. Aber wenn es nicht so wäre, könnten wir beim nächsten Regen keine neue, noch bessere Sandburg bauen und das wäre schade, denn der nasse Sand eignet sich perfekt zum bauen.IMG_1101

 

13.2.2016: Unbekannte Tiere

Nachdem wir Freitag in Grootfontein zum einkaufen waren, fand der Kindergarten heute ausnahmsweise an einem Samstag statt. So konnten die Kinder unsere frischgekauften Spielsachen direkt ausprobieren. Vor allem die kleinen Plastiktiere, ähnlich wie Schleichtiere, wurden genau unter die Lupe genommen. Wir haben eine Ocean-Edition gekauft. Darin waren verschiedene Haie, ein Delfin, ein Wal, ein Pinguin und ein Krake enthalten – Tiere, die die Kinder noch nie gesehen haben. Wir mussten erst erklären, dass sie durch das Wasser schwimmen, und nicht wie schon mehrfach von den Jungs ausprobiert, auf ihren Flossen laufen. Auch, dass sie durch Kiemen atmen, konnten die Kleinen nur schwer glauben. Schließlich sollten wir ihnen zeigen, was für Geräusche die verschiedenen Tiere machen. Bei einem Delfin oder einem Wal war das noch möglich, bei den Haien mussten die Kinder akzeptieren, dass sie wohl oder übel kein Geräusch machen. Das mit Abstand unbeliebteste Meeres-Plastiktier ist jedoch der Krake. Mit seinen acht Armen und der roten Farbe ist er den Kindern offensichtlich nicht geheuer. Trotzdem wurden sie nicht müde mit den neuen Tieren zu spielen, sodass wir einen sehr entspannten und angenehmen Kindergartentag hatten. Am Ende lasen wir noch aus unserem, ebenfalls frisch gekauften, Bilderbuch vor. Auch darin ging es um Tiere. Allerdings kamen auch afrikanische Tiere wie Giraffen und Löwen vor und die kannten die Kinder ja bereits.

 

9.2.2016: Hello Paul!

Heute war ein neues Mitglied bei uns in unserem Kindergarten: Paul, das Pony.

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Das ist ein kleines Kuscheltier und unser Maskottchen. Die Kinder waren ihm gegenüber zunächst sehr vorsichtig. Dieses flauschige Ding war ihnen komplett unbekannt und sie waren nicht sicher, ob es sich nicht bewegen und beißen kann. Nur die Mutigen unter ihnen trauten sich, Paul anzufassen und zu streicheln. Doch als wir ihnen Paul genauer zeigten, legten sie schnell ihre Scheu ab, und selbstbewusste Mädchen wie Lydia wollten ihn gar nicht mehr hergeben. Wir veranstalteten zum ersten Mal eine Paul-Runde. Dabei wurde Paul im Kreis herumgereicht und jedes Kind sollte Paul begrüßen und sich auf Englisch vorstellen. Buschmann-Kinder sind sehr schüchtern. Das haben wir auch bei dieser Übung wieder gemerkt. Die meisten Kinder trauten sich nicht einmal, ihren Namen laut zu sagen. Um ihnen beizubringen vor einer Gruppe zu reden und sich auf Englisch vorzustellen, machen wir diese Übung ab jetzt jeden Tag, direkt nach dem Zähneputzen.IMG_0867 Sobald die Paul-Runde beendet ist kommt Paul dann auf einen kleinen Ast. Hier kann er das Geschehen gut beobachten,  ohne von den Kindern zerrupft zu werden, und hin und wieder aushelfen, wenn ein Kind getröstet werden muss. Eine weitere Neuheit an diesem Tag waren die Wachsmalstifte. Anders als mit den Holzstiften, ist mit ihnen das Malen viel einfacher. Deswegen hatten vor allem die jüngeren Kinder heute viel Spaß am Malen.

4.2.2016: Kindergartenalltag

Inzwischen ist die erste Woche des Buschmannkindergartens schon fast vorüber und die Kinder haben mehr und mehr Zutrauen zu uns gefasst. Es entsteht schon beinahe Streit, wer bei einem Kreis neben uns stehen darf. Auch wir haben uns an die Kinder gewöhnt, kennen die meisten Namen und verstehen immer mehr, wie sie ticken. Der Kindergartenalltag hat bereits eine gewisse Routine gefunden. Morgens um halb 9 erreichen wir die Lichtung, die Kinder sind schon versammelt. Wir verteilen die Spielzeuge (wie Ball und Schläger) und die Kinder beginnen frei damit zu spielen, während wir auspacken und alles hinrichten.

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Vor allem die Zahnbürsten müssen ausgepackt, geordnet und mit Zahnpasta bestrichen werden. Dann kann es losgehen. Wir machen einen großen Kreis (einen „Big Circle“) und singen unser Begrüßungslied. Inzwischen kann auch der kleinste Buschkindergarten-Teilnehmer begeistert mitsingen und mittanzen.

Nach der Begrüßung geht es sofort an das Zähneputzen. Für manche Kinder war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie eine Zahnbürste in der Hand hielten und dementsprechend geschockt war ihr Blick, als wir ihnen je eine Bürste in die Hand drückten. Auch an die Zahnpasta mussten sich viele erst gewöhnen. Trotzdem machen alle mit und versuchen, mehr oder weniger erfolgreich, die Bewegungen, die wir ihnen zeigen nachzumachen.

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Nach dem gemeinsamen Zähneputzen steht Bewegung und Sport auf dem Programm. Wir spielen mit den Kindern verschiedene Arten von Fangen. Doch obwohl das Spiel Generationen von deutschen Kindern begeistert, kam es bei den Buschmannkindern nicht so gut an. Nur unsere vier älteren Jungs sind wirklich bei der Sache, die Mädchen stehen lieber am Rand und sehen zu. Ganz anders sieht es aus, wenn wir Stopptanzen spielen. Hier tanzen und springen alle mit. Wir machen dabei kleine Übungen vor, die die Kinder währenddessen ausführen. Sobald wir Freeze rufen, müssen alle Kinder versteinert stehen bleiben. Der letzte der sich bewegt ist ausgeschieden und muss sich an den Rand setzen.

Nach dem Sport machen wir abermals einen Kreis und singen gemeinsam. Nachdem die Kinder Head and Shoulders schon kannten, zeigten wir ihnen im Laufe der Woche „If you‘re happy an you know it“. Das Lied wurde direkt gut aufgenommen. Allerdings wird der Text gerne ein wenig vereinfacht. Vor allem Josef singt lieber: „Happy, Happy, Happy, Happy, Happy“, anstatt des richtigen Textes. Verwirrend ist auch die letzte Strophe, wo die Kleinen alle drei Bewegungen nacheinander machen sollen.

Der nächste Programmpunkt ist das Basteln oder Malen. Am Anfang gaben wir den Kindern einfache Ausmalbilder. Dabei merkten wir schnell, dass das Malen für die Kleinen etwas Besonderes ist.  Die älteren Jungen waren über längere Zeit konzentriert dabei. Die Mädchen und jüngeren Kinder verloren meist schon nach kurzer Zeit ihr Interesse und beschäftigten sich selbst. Als wir ihnen ein Weitermalbild gaben, wo sie selbst etwas dazu zeichnen sollten, waren auch die älteren Jungen zunächst ratlos. Sie orientierten sich an dem Beispielbild, während die kleineren Kinder ihnen zuschauten oder im Sand spielten. Frei etwas zu malen ist für die Kleinen etwas komplett Neues und deswegen noch sehr schwierig.

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Ist die Mal- und Bastelstunde beendet, gibt es eine kleine Trinkpause, bevor wir uns abermals im Kreis für einige Spiele treffen. Schlüsselhund gehört für die Kinder inzwischen zum Alltag. Auch der Klassiker „Schlafkönig“ zeigt bei den Buschkindern seine Wirkung: Nach einigen Anläufen liegen alle im Sand und trotzen sämtlichen Ameisen und Käfern, die währenddessen auf ihnen herumkrabbeln. Anschließend werden die Hände gewaschen. Der braune Schaum der Seife zeigt, dass dies dringend nötig ist. Doch genauso schnell, wie die Hände sauber werden, werden sie auch wieder dreckig. Bereits nach dem Abschiedslied kann man schon wieder den ein oder anderen dunklen Händeabdruck auf der Kleidung finden. Schließlich wird gewunken, eingeschlagen und die letzten Spielsachen aufgeräumt, bevor sich die Kindermeute mit viel „Goodbye“ und „See you“ auf den Weg in ihr Dorf machen.

30.1.2016: Das Projekt beginnt!

Heute startete unser Projekt Buschkindergarten. In der letzten Woche haben wir uns dafür gründlich vorbereitet. Wir überlegten uns Spiele, übten einige Lieder und sammelten Bastelideen. Außerdem waren wir in Grootfontein und kauften alle  Sachen, die wir für den Kindergarten brauchen: Stifte, Malbücher, Papier, Zahnbürsten, Seife, Bälle und Bilderbücher. Wir besorgten hauptsächlich grundlegende Dinge, da noch offen steht, wie sich das Projekt Buschkindergarten entwickelt. Die nächsten drei Monate betreuen wir vormittags ungefähr 12 Kinder der Buschmänner. Sie befinden sich zwischen zwei und neun Jahren. Von ihren Eltern lernen sie zuhause kaum Disziplin oder Hygiene. Meistens beschäftigen sie sich mit Dingen aus der Natur. Hier gibt es für sie keine Grenzen oder Regeln, weswegen sie es oft sehr schwer haben, wenn sie in die Schule kommen. Sie sind es einfach nicht gewohnt nur zu sitzen und an etwas zu arbeiten. In unserem Kindergarten sollen die Kinder genau das lernen. Wichtig ist für uns vor allem der geregelte Aufbau des Kindergartens, sodass die Kinder Routine lernen und mitbekommen. Gestern räumten wir zusammen mit den Eltern der Buschkinder den Platz des Kindergartens frei von Büschen und Gras. Die Kinder waren natürlich auch dabei und spielten unter einem Baum. So wurde das Aufräumen, obwohl es sehr anstrengend war, doch eine witzige und gesellige Angelegenheit. Diesen Morgen lernten wir die Kinder zum ersten Mal richtig kennen. Schon im Voraus wurden wir darauf vorbereitet, dass die Kinder sehr schüchtern sind. Während der Vorstellungsrunde bekamen wir davon einen Vorgeschmack: Viele Namen erfuhren wir nur durch die Hilfe unserer Dolmetscherin Elisabeth. Doch als wir ihnen unser Begrüßungslied beibrachten war ihre Schüchternheit verfolgen: Alle fingen an zu singen und zu tanzen und lernten das Lied innerhalb kurzer Zeit. Auch andere leichte Spiele wie Fangen oder Schlüsselhund lernten die Kinder schnell. Vor allem die älteren Kinder begriffen gleich wie ein Spiel funktioniert und zogen die kleineren Kinder mit. Das bekannte Englische Lied „Head and Shoulders“ und das Spiel „Faules Ei“ kannten die Kinder sogar schon, sodass wir ohne erklären direkt loslegen konnten. Nach 1½  Stunden wurden die Kinder jedoch zunehmend unkonzentrierter. Vor allem bei den jüngeren Kindern konnte man spüren, dass sie immer weniger bei der Sache waren. Allerdings waren es sehr viele neue Spiele und Eindrücke für die Kinder, sodass wir nach zwei Stunden das Kennenlernen beendeten. Montag beginnt nun der reguläre Kindergarten. Hier werden wir zusätzlich zu den Kreis – und Bewegungsspielen auch Zähneputzen und Malen.  Der Kindergarten soll normalerweise vier Stunden dauern. Am Anfang werden wir jedoch, je nach Konzentration der Kinder, schon früher aufhören. Außerdem bauen wir viele Pausen ein, sodass sich die Kinder langsam an den Kindergarten gewöhnen werden. Wir sind gespannt, wie sich das Projekt entwickelt und wie die Kinder unsere Ideen annehmen.